Heidelberg-Panorama von Matthäus Merian, 1620. Foto: Matthäus Merian, Public domain, Wikimedia Commons
Zeitleiste der Altstadt
Geschichte Heidelbergs: die Altstadt von der Gründung bis heute
Geschichte 7 Min. Lesezeit Stand Oktober 2026 Redaktion altstadt-heidelberg.de
Die Geschichte Heidelbergs beginnt urkundlich 1196, prägend wurden aber drei Ereignisse: die Gründung der Universität 1386, die Zerstörung durch französische Truppen 1689 und 1693 und der barocke Wiederaufbau auf mittelalterlichem Grundriss. Später machten Romantik und Studentenleben die Stadt am Neckar weltbekannt. Hier findest du die wichtigsten Epochen als Zeitleiste, jeweils mit dem Ort in der Altstadt, an dem du sie heute noch sehen kannst.
Zeitleiste: Heidelbergs Geschichte auf einen Blick
- vor ChristusKelten siedeln auf dem HeiligenbergHeute zu sehen: Ringwall auf dem Heiligenberg
- 1. Jh. n. Chr.Die Römer errichten ein Kastell und eine Brücke im heutigen NeuenheimHeute zu sehen: Funde im Kurpfälzischen Museum
- 1196erste urkundliche Erwähnung als „Heidelberch“Heute zu sehen: Kernaltstadt um den Marktplatz
- 13. Jh.Heidelberg wird Residenz der Pfalzgrafen bei RheinHeute zu sehen: Schloss über der Altstadt
- 1386Kurfürst Ruprecht I. gründet die UniversitätHeute zu sehen: Universitätsplatz
- 1392Stadterweiterung nach Westen bis zum heutigen BismarckplatzHeute zu sehen: Voraltstadt
- ab 1398Bau der HeiliggeistkircheHeute zu sehen: Marktplatz
- 1592Bau des Hauses zum RitterHeute zu sehen: Hauptstraße gegenüber der Heiliggeistkirche
- 1622Eroberung im Dreißigjährigen Krieg, die Bibliotheca Palatina kommt nach RomHeute zu sehen: Heiliggeistkirche
- 1689 und 1693Zerstörung von Stadt und Schloss im Pfälzischen ErbfolgekriegHeute zu sehen: Schlossruine
- ab 1700barocker Wiederaufbau auf mittelalterlichem GrundrissHeute zu sehen: fast die ganze Altstadt
- 1720Kurfürst Karl Philipp verlegt die Residenz nach MannheimHeute zu sehen: Schloss bleibt Ruine
- 1786 bis 1788Bau der steinernen Alten BrückeHeute zu sehen: Alte Brücke und Brückentor
- 1803Heidelberg kommt zu Baden, Neugründung der UniversitätHeute zu sehen: Ruprecht-Karls-Universität
- um 1805Heidelberger RomantikHeute zu sehen: Philosophenweg, Altstadtgassen
- 1945Sprengung der Neckarbrücken kurz vor KriegsendeHeute zu sehen: wiederaufgebaute Alte Brücke
Von den Kelten zur ersten Erwähnung
Lange bevor es die Stadt gab, war die Gegend am Neckar besiedelt. Kelten bauten auf dem Heiligenberg auf der Neckarseite gegenüber der heutigen Altstadt eine befestigte Siedlung. Die Römer errichteten im heutigen Stadtteil Neuenheim ein Kastell und eine Brücke über den Fluss.
Der Name taucht 1196 auf: In einer Urkunde des Klosters Schönau wird „Heidelberch“ erstmals erwähnt. Die mittelalterliche Stadt entstand zwischen Neckar und Schlossberg, rund um den heutigen Marktplatz und Kornmarkt. Wer heute durch die engen Gassen der Kernaltstadt läuft, folgt im Grunde noch diesem Grundriss.
Residenz der Kurpfalz und Gründung der Universität 1386
Im 13. Jahrhundert wurde Heidelberg Residenz der Pfalzgrafen bei Rhein, die später als Kurfürsten der Kurpfalz zu den mächtigsten Fürsten im Reich gehörten. Ihr Schloss über der Stadt wurde über Jahrhunderte immer prächtiger ausgebaut.

1386 gründete Kurfürst Ruprecht I. die Universität. Nach Prag und Wien war sie die dritte Universität im Heiligen Römischen Reich, und sie ist heute die älteste Universität Deutschlands. Das Motto „Zukunft seit 1386“ erinnert bis heute daran. Die Geschichte der Universität Heidelberg ist eng mit der Stadt verwoben: Forschung und Lehre, Studierende und Professoren prägen das Leben in der Altstadt seit über 600 Jahren.
Wo du es siehst: Am Universitätsplatz stehen die Alte Universität, ein barocker Bau aus dem 18. Jahrhundert, und die Neue Universität. Gleich daneben liegt der Studentenkarzer. Mehr dazu auf unserer Seite zur Alten Universität.
Schon 1392 wurde die Stadt nach Westen erweitert, von der Grabengasse bis zum heutigen Bismarckplatz. Diese sogenannte Vorstadt ist die heutige Voraltstadt. Um 1398 begann am Marktplatz der Bau der Heiliggeistkirche. Bauherr war Kurfürst Ruprecht III., der 1400 sogar zum deutschen König gewählt wurde und in der Kirche begraben liegt. Mehr über die Kirche erfährst du auf der Seite zur Heiliggeistkirche.
Glanzzeit und Glaubensstreit im 16. und 17. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert war Heidelberg ein geistiges Zentrum Europas. In den Emporen der Heiliggeistkirche lag die berühmte Bibliotheca Palatina, eine der wertvollsten Büchersammlungen ihrer Zeit. 1563 entstand hier der Heidelberger Katechismus, ein Grundtext des Calvinismus.

Das Haus zum Ritter
Aus dieser Zeit stammt eines der bekanntesten Bürgerhäuser der Stadt: das Haus zum Ritter an der Hauptstraße, gegenüber der Heiliggeistkirche. Der hugenottische Tuchhändler Charles Bélier ließ es 1592 bauen. Seinen Namen verdankt es der Figur des heiligen Georg als Ritter auf dem Giebel. Die reich geschmückte Fassade ist ein Beispiel für die späte Renaissance. Das Haus zum Ritter gehört zu den wenigen Bürgerhäusern, die die Zerstörung von 1693 fast unbeschadet überstanden, und diente danach einige Jahre als Rathaus.
Mit Kurfürst Friedrich V. begann der Abstieg. Er heiratete 1613 Elisabeth Stuart, Tochter des englischen Königs, ließ am Schloss den Hortus Palatinus anlegen und nahm 1619 die böhmische Königskrone an. Als „Winterkönig“ verlor er sie schon nach einem Jahr. Im Dreißigjährigen Krieg eroberten 1622 kaiserliche Truppen unter Tilly die Stadt, und die Bibliotheca Palatina wurde als Kriegsbeute nach Rom gebracht.
Zerstörung 1689 und 1693: der Pfälzische Erbfolgekrieg
Liselotte von der Pfalz, geboren in Heidelberg, war mit dem Bruder des französischen Königs Ludwig XIV. verheiratet. Als die pfälzische Linie ihres Hauses ausstarb, erhob der Sonnenkönig in ihrem Namen Ansprüche auf die Kurpfalz. Es folgte der Pfälzische Erbfolgekrieg.
Französische Truppen verwüsteten Heidelberg 1689 und noch schlimmer 1693. Die Wehranlagen und Teile des Schlosses wurden gesprengt, die Stadt brannte fast vollständig nieder. Laut Fachliteratur stammen heute nur noch rund 2,4 Prozent der Altbauten der Altstadt aus der Zeit vor 1693.
Wo du es siehst: Die Schlossruine über der Altstadt ist das sichtbarste Zeugnis. In der Altstadt selbst erkennst du die Zäsur daran, dass fast alle Fassaden barock sind, während Straßen und Plätze mittelalterlich verlaufen.
Barocker Wiederaufbau und Umzug nach Mannheim
Nach 1700 bauten die Heidelberger ihre Stadt neu auf, auf dem alten mittelalterlichen Grundriss, aber im Stil des Barock: Statt Fachwerk entstanden verputzte Steinhäuser mit Mansarddach. Bis etwa 1780 war der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen. In dieser Zeit entstanden auch das Rathaus am Marktplatz, die Jesuitenkirche und die Alte Universität.

1720 verlegte Kurfürst Karl Philipp nach einem Streit um die Heiliggeistkirche die Residenz nach Mannheim. Heidelberg verlor damit seine Rolle als Hauptstadt der Kurpfalz. Pläne, das Schloss wieder herzurichten, endeten 1764, als ein Blitzschlag den Bau erneut in Brand setzte.
Wo du es siehst: Die Madonna auf dem Kornmarkt, das Karlstor am östlichen Ende der Altstadt und vor allem die Alte Brücke. Nachdem Eisgang 1784 die hölzerne Vorgängerbrücke zerstört hatte, ließ Kurfürst Karl Theodor 1786 bis 1788 die steinerne Brücke bauen, die bis heute seinen Namen trägt.
Romantik, Studenten und das Bild vom „Alt Heidelberg“
1803 kam Heidelberg zum Großherzogtum Baden, und die Universität wurde neu gegründet. Daher stammt ihr heutiger Name Ruprecht-Karls-Universität. Wenige Jahre später machten die Dichter der Heidelberger Romantik die Stadt berühmt: Clemens Brentano und Achim von Arnim sammelten hier Volkslieder, Joseph von Eichendorff studierte in Heidelberg. Die Schlossruine galt nun nicht mehr als Schandfleck, sondern als romantisches Motiv. Der französische Graf Charles de Graimberg setzte sich dafür ein, sie zu erhalten.
Im 19. Jahrhundert prägten Studentenverbindungen, Mensuren und der Karzer das Bild vom fröhlichen „Alt Heidelberg“, das Besucher aus aller Welt anzog. Der Studentenkarzer war bis 1914 in Gebrauch.
Das 20. Jahrhundert und Heidelberg heute
Auch die dunklen Kapitel haben in der Altstadt ihre Orte: In der Zeit des Nationalsozialismus wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger verfolgt und ermordet, die Synagoge in der Altstadt wurde 1938 zerstört. Der Platz, an dem sie stand, erinnert heute daran.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Heidelberg von großen Luftangriffen weitgehend verschont. Warum, darüber gibt es verschiedene Erklärungen, eine eindeutig belegte Antwort fehlt. Kurz vor Kriegsende sprengte die Wehrmacht im März 1945 die Neckarbrücken, darunter Teile der Alten Brücke, die nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Nach 1945 war Heidelberg jahrzehntelang ein wichtiger Standort der US-Armee.
Heute ist die Altstadt ein lebendiges Stück Geschichte: saniert, belebt von Studierenden und Besuchern und mit einem Stadtbild, das alle Epochen von der Gründung bis zur Gegenwart erzählt.
Historische Stadtführung durch Heidelberg
Am besten erlebst du die Geschichte Heidelbergs vor Ort. Auf eigene Faust führt dich unser Altstadtrundgang an allen genannten Orten vorbei. Wer lieber Geschichten aus erster Hand hört, bucht eine historische Stadtführung: Die Tour „Erlebe unsere Geschichte“ startet am Kornmarkt, dauert 1,5 Stunden und kostet auf GetYourGuide ab 15 Euro (Stand Oktober 2026). Weitere Touren findest du im Vergleich unter Stadtführung Heidelberg.
Geschichte mit Guide erleben
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